Kernstück dieser Veranstaltung war eine Tagesfahrt von Bad Cannstatt nach Poppenweiler und zurück. Diese wurde eingerahmt durch Vor- und Nachtouren von Esslingen und Marbach aus. Außerdem wurde von der Mitgliedschaft des StCRC ein geselliges Sommerfest veranstaltet in dessen Rahmen Erich Scheiffert eine Anerkennungsurkunde des LRVBW für hervorragende Leistungen Baden-Württemberischer Breitensport-Ruderer überreicht wurde wegen des erstmaligen Erwerbs des DRV-Äquatorpreises von einem blinden Sportler.
Die Wetterprognose verhieß nichts gutes, es war Regen und Kälte angesagt. Trotzdem ließen sich die knapp 50 gemeldeten Teilnehmer aus 8 Rudervereinen (Esslingen, Heidelberg, Karlsruhe, Neu-Ulm, Stuttgart, Überlingen, Ulm) nicht entmutigen. Sie erschienen fast vollzählig.
Schon am Freitagnachmittag setzten sich einige von ihnen von Esslingen und Marbach aus ins Boot um nach Bad Cannstatt zu rudern. Am Abend traf man sich in kleiner Runde mit von Heidelberg aus angereisten Ruderkameraden, um Kontakte im Kreis von Baden Württembergs Wanderruderern zu knüpfen.
Am Samstag vor 9 Uhr reisten dann die meisten der übrigen Ruderinnen und Ruderer an. Sie wurden im Stuttgart Cannstatter Ruderclub vom 1. Vorsitzenden des gastgebenden Vereins, Peter Wolfering, und vom LRVBW-Referatsleiter Breitensport / Wanderrudern / Umwelt, Werner Rudolph, begrüßt. Ulrike Stroh, Wanderruderwartin des StCRC und Hauptorganisatorin des Wanderrudertreffens, hatte mit ihrem Team für Begrüßungskaffe und Kuchen gesorgt. Sie gab eine kurze Einführung in den Streckenverlauf der Tagesfahrt, deren Zielsetzung es war, für die Teilnehmer einen Mosaikstein für die Teilnahme an den DRV-Wanderfahrtenwettbewerben zu bilden. Damit die Ausfahrt als Tageswanderfahrt anerkannt werden kann, muss die Strecke von 30 km überschritten werden. Der von ihr gewählte Rundkurs erfüllte dieses Kriterium.
Dieter Nickel, StCRC, hatte in einer schlaflosen Nacht die gemeldeten Teilnehmer auf die vorhandenen Boote verteilt, wobei von ihm darauf geachtet wurde, dass in jedem Boot ein erfahrener Bootsführer mit Streckenkenntnis vorhanden war und dass eine interessante Mischung der Ruderinnen und Ruderer aus verschiedenen Vereinen zustande kam. Mit nur geringen Korrekturen wurde diese nächtliche Vorarbeit bei der Bootseinteilung nun umgesetzt um einen C-Achter und 7 C-Vierer zu füllen. Auch mehrere Ruderinnen und Ruderer mit Sehbehinderungen wurden in die Mannschaften integriert.
Gemeinsam startete man zuerst stromauf, ruderte - mit Erläuterungen über die vorbeiziehenden Weinlagen, über die Wilhelma und über die im Fluss liegenden Theaterschiffe bis zur Schleuse von Bad Cannstatt. Dass der Regen zwischenzeitlich ziemlich intensiv wurde, wurde dabei fast vergessen.
Dann ging es stromab. Alle 8 Boote fuhren in einer geschlossenen Gruppe und wurden gemeinsam in Hofen und Neckarrems geschleust. Zur erwähnen ist, dass (nicht nur im Rahmen dieser Veranstaltung) die Schleusungen von Ruderbooten am Neckar – wenn man sich rechtzeitig bei den Schleusenwärtern und der zuständigen Wasser- und Schifffahrtsbehörde angekündigt – nach Möglichkeit in vorbildlich zügiger Weise durchgeführt werden. Hierfür ein herzliches Dankeschön an die Verantwortlichen der Schifffahrtsverwaltung.
Der Regen wurde stärker und die Steuerleute froren sichtbar. Ulrike Stroh hatte jedoch vorgesorgt. Ursprünglich sollte die Mittagsrast auf einer Wiese an der Schleuse Poppenweiler in der dortigen reizvollen Reblandschaft durchgeführt werden. Nach kritischer Prüfung der Wetterprognose hatte sie jedoch kurzfristig noch ein Dach über dem Ort der Mittagsrast organisiert. Die Sportkameraden der Ruderergruppe des WSV-SC Remseck halfen ihr in dankenswerter Weise dabei.
Alle 8 Ruderboote konnten dort am Steg anlegen und fanden in der Bootshalle dieses Vereins eine lange, herbstlich dekorierte, gedeckte Mittagstafel vor. Die in der Halle lagernden Ruderboote waren, soweit notwendig, in Freie gebracht worden.
Die Ruderinnen und Ruderer tauschten nun ihre regennasse gegen die in den wasserdichten Beuteln noch vorhandene trockene Kleidung aus, hängten die bunten Kleidungsstücke über die noch in der Halle befindlichen Boote zum Trocknen auf. Durch das prickelnde Regenerlebnis und die damit verbundene Frische kam sehr schnell eine lebhafte Kommunikation zwischen den Teilnehmern des Wanderrudertreffens über ihre Erfahrungen aus der laufenden und über Pläne für die kommende Rudersaison auf. Zur Aufwärmung trug auch das hervorragende warme Mittagessen und der Schluck „Zuckerle“ bei, den Ulrike per Handy noch vom Wasser aus beim Organisationsteam geordert hatte, als wir an dieser Weinlage vorüberruderten. Die Stimmung der Teilnehmer war durch das von einiger Improvisation geprägte Mittagessen bestens.
Der Regen war nun noch intensiver geworden. Die Boote waren zwischenzeitlich bis zur Höhe der Bodenbretter mit Wasser gefüllt. Die bevorstehende Ruderstrecke nach Poppenweiler wurde deshalb leicht gekürzt, bevor man zurück zum StCRC ruderte, um hier - nach der Versorgung der Boote - unter den Duschen Wärme zu tanken.
Danach gab es Kaffe und Kuchen. Im Rahmen einer Nachbesprechung zur Tagesfahrt wurde Ulrike Stroh und Dieter Nickel stellvertretend für das Organisationsteam und dem veranstaltenden Verein im Namen aller Teilnehmer ein kleines Präsent überreicht und mit einem 3-fachen Hipp-Hipp-Hurra für die geleistete Arbeit gedankt.
Einige der Teilnehmer am Wanderrudertreffen reisten nun ab, während ein zweiter Teil sich in das Gewühle des „Sommerfestes“ des StCRC begab. Zum Abendessen wurde gegrillt und bunte Salate wurden gereicht. Auf dem Vereinsgelände gab es mehrere Zelte zum Schutz gegen den Regen. Jedoch suchten die meisten Leute den im Keller gelegenen warmen Jugendraum auf, wo eine Schülerkapelle heiße musikalische Rhythmen präsentierte.
Peter Wolfering und Werner Rudolph überreichten hier dem blinden Ruderer Erich Scheiffert eine Anerkennungsurkunde für herausragende Breitensportleistungen Baden-Württembergischer Ruderer. Erich Scheiffert hatte erstmals als blinder Ruderer den DRV-Äquatorpreis erworben. Dieser Preis wird vergeben an Ruderer, die im Laufe ihres Lebens mehr als 40077 Ruderkilometer zurückgelegt haben. Für einen Menschen, der dies aufgrund seiner Behinderung nur in Mannschaftsbooten tun kann, ist dies eine ganz besondere Leistung, denn Rudern im Einer oder auch Steuern im Mannschaftsboot ist hierbei nicht möglich. Erich selbst sieht dies jedoch nicht nur als seine persönliche Leistung an, er betont bescheiden, dass ihm dies nur dadurch ermöglicht wurde, dass man ihm in Mannschaftsbooten die Möglichkeit gab, mitzurudern.
Egal wie man dies beurteilen mag, die Leistung 40077 Ruderkilometer ist enorm. Erich Scheiffert kann uns allen als Vorbild dienen, es ihm nachzutun, indem wir uns den Erwerb des Äquatorpreises als ein sportliches Lebensziel für uns selbst zur Förderung unserer Fitness und Gesundheit vornehmen.
Ein herzliches Dankeschön an die Mitgliedschaft des Stuttgart-Cannstatter Ruderclub für die Organisation dieses trotz widriger Wetterbedingungen stimmungsvollen Baden-Württembergischen Wanderrudertreffens.