Rudern und Überleben im Winter

Rudern im Winter ist schön, kann aber auch gefährlich werden. – Wir veröffentlichen hier Sammlung von Dokumenten zum Thema „Sicherheit auf dem Wasser“, einfach als Erinnerung oder auch für „Neue“ in den Vereinen.

Der sehr eindrückliche Text von Dr. Jane Brockley ("Kaltes Wasser. Wie du Deine Überlebenschance vergrößerst") scheint "kaltes Wasser" etwas kurios mit Temperaturen unterhalb von + 26,5 ° C zu klassifizieren, doch gibt es hier einen wissenschaftlichen Hintergrund, den Verbandsarzt Prof. Steinacker auf zahlreiche Nachfragen hier erläutert:

 

Es klingt zuerst kurios, aber besonders nach hartem erschöpfendem Training kann es Hypothermieunfälle geben, die bei moderaten Wassertemperaturen von 20° bis 25°C zum Ertrinken führen können.
Wenn die Muskeln nach dem Training Glykogenverarmt sind, kann dadurch kein Kältezittern mehr stattfinden (man braucht Zucker zum Zittern) und ist die Wärmeproduktion eingeschränkt. Deshalb kann man bei moderaten, fast warmen Wassertemperaturen auskühlen. Schon ab 32 °C Muskeltemperatur können Krämpfe auftreten, unter 28°C werden die Muskeln steif und man kann sich bei vollem Bewusstsein nicht mehr bewegen oder greifen. Das Risiko ist deutlich höher, wenn man frei schwimmt, deshalb der Rat, sich nie vom Boot zu entfernen, bis Hilfe kommt, sich auf das Boot zu legen oder sich an einem Gegenstand festzuhalten.
Es gibt ganz dramatische Unfälle im Training, zum Beispiel vor etwa 30 Jahren versank der DDR-Achter im Gewittersturm im Müggelsee (dort kann man stehen), das Trainerboot war defekt, die Ruderer, die am Boot blieben, überlebten, vier Ruderer schwammen zum Ufer und ertranken. Nach einem Todesfall des 21jährigen Leo Blockley im Jahr 2001 verklagten die Eltern den britischen und den Weltruderverband wegen fehlender Sicherheitsbestimmungen. Am Ende eines langen Ausdauertrainings eines Oxford-Achters in Amposta an der spanischen Mittelmehrküste legte der Trainer mit seinem Boot schon am Steg an und ließ den Achter noch 500 m ausrudern. Plötzlich kamen Wind und Wellen auf und der Achter sank. Bei Wassertemperaturen um etwa 20°C und ebenso moderaten Umgebungstemperaturen schwammen drei Ruderer die etwa 100 bis 150 m zum Ufer, Leo Blockley, obwohl sehr guter Schwimmer, ertrank.
Natürlich ist das Risiko zu ertrinken mit sinkender Wassertemperatur viel größer, man ist aber da viel vorsichtiger. Am Ende eines Trainings sind die freien Schwimmzeiten vielleicht nur 20 % der normalen tolerierten Schwimmstrecke. Deshalb hat die FISA eine Empfehlung zum Mindestauftrieb von Booten herausgegeben und weitere Empfehlungen in den Sicherheitsrichtlinien.
Jane Blockley ist die Mutter von Leo und der Artikel ist ausgesprochen zu empfehlen. Die Eltern von Leo haben eine Stiftung zur Verhinderung von Ertrinkungsunfällen gegründet, die Homepage ist ebenfalls sehr interessant: http://www.leoblockley.org.uk/

 

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